Grube an der Halde

Historie des Haldengangs am Finstergrundbach

 

Die kleine Grube dürfte im Mittelalter oder der frühen Neuzeit begonnen worden sein, wie händische Abbauspuren („Schlägel und Eisen“) vermuten lassen. 1921 wurde der alte, verbrochene Stollen aufgewältigt und in den Jahren 1923/24 von der Wiesentäler Bergbau AG als Pulverstollen (=Sprengstofflager) ausgebaut und dabei maschinell erweitert.

 

Die im kleinen Untersuchungsbergwerk aufgeschlossenen, maximal 50 cm breiten Mineralgänge sind unter den Bezeichnungen „Gang an der Halde“, „Gang Werner II“ und „Werner an der Halde“ bekannt. Die schmalen Gänge führen vor allem Quarz, Flussspat, wenig Schwerspat sowie Bleiglanz und Zinkblende. Die geringe Erzführung war wohl der Grund für die Anlage des Bergwerks.

Stollenmundloch Haldengang vor der Sicherung (Bild: Dr. Wolfgang Werner)

 

Geologische Aspekte und Lage

 

Abweichend von den Nord–Süd verlaufenden Mineralgängen der östlich und westlich benachbarten großen Fluss- und Schwerspat-Bergwerke Finstergrund, Anton, und Tannenboden waren in der Grube an der Halde (Halde = alemannisch für Abhang) mehrere Nordnordwest und Nordnordsüd verlaufende Mineralgänge Ziel der bergmännischen Arbeiten. (Für den Geologen: Hierbei handelt es sich um ein rechtsseitig bewegtes Blattverschiebungssystem entlang von NNW–SSE verlaufenden Störungen; bei diesen tektonischen Bewegungen rissen auch NNE–SSW gerichtete Fiederspalten auf, die vor ca. 160 Millionen Jahren von heißen Lösungen durchwandert und mineralisiert wurden.)

 

Das sich über rd. 100 m in Nord–Süd-Richtung ersteckende Grubengebäude besteht aus zwei Sohlen, einem schmalen, ca. 20 m hohen senkrechten Abbau und kleinen Untersuchungsauffahrungen; auf der unteren Sohle ist ein Schacht unbekannter Tiefe (unter Wasser) abgeteuft worden.

Blick in den vermutlich mittelalterlichen Abbau zwischen dem unteren und oberen Stollen (Bild: Berthold Fuchs)

Sicherung durch den Bergmannsverein

 

Die Grube ist, wie viele ähnliche im Raum Wieden, bei Schwarzbefahrern und Bergbauinsidern gut bekannt; daher wurde die Grube seit jeher aus den unterschiedlichsten Motivationen schwarzbefahren. Dies ist sowohl aus sicherheitstechnischen Gründen als auch aus Sicht des Denkmalschutzes bedenklich. Daher hat sich der Bergmannsverein Finstergrund Wieden e.V. entschlossen, die Grube zukünftig gegen unbefugten Zutritt zu sichern und somit auch das montanhistorische Erbe der Region zu erhalten.

 

Das Stollenmundloch wurde im Laufe des August 2019 durch Mitglieder des Bergmannsvereins beräumt und mit einem Ausbau gesichert. Danach wurde ein Tor eingebaut, und der Ausbau beidseitig mit einer Trockenmauer abgeschlossen. Zuletzt wurde händisch und mit Hilfe eines Baggers der Ausbau auch von oben mit Haufwerk verfüllt, sodass der Ausbau komplett geschlossen wurde. Das massiv geschweißte Tor verhindert zukünftig unbefugten Zutritt. 

Einbau des Verzugs durch Mitglieder des Bergmannsvereins (Bild: Martin Wietzel)

Zukunft

 

Der Bergmannsverein plant, am Vorplatz der Grube (an der Straße zum Besucherbergwerk Finstergrund) ein Hinweisschild zu errichten, welches die Hintergründe und den Wissensstand mit Text und Bildern erläutert.

Da bislang nur sehr wenig über den Betriebszeitraum der Grube bekannt ist, wären beispielsweise dendrochronologische Untersuchungen am Holz aus dem unter Wasser stehenden Schacht denkbar.

Ebenfalls könnte die Grube mittels 3D-Fotografie virtuell rekonstruiert und vermessen werden (erste 3D-Bilder wurden bereits erstellt, siehe unten). 

Da kein Seigerriss der Grube existiert, wäre auch dessen Erstellung ein mögliches Zukunftsprojekt des Bergmannsvereins. Alle Aktivitäten erfolgen in Abstimmung mit dem Landesdenkmalamt.

 

 

Text: Dr. Wolfgang Werner / Clemens Jäger

Stollenmundloch nach der Sicherung durch den Bergmannsverein (Bild: Dr. Wolfgang Werner)
3D Bild vom vorderen Teil der Grube am Hang (Bild: Berthold Fuchs)
Blick vom Finstergrundbach zum komplett verschlossenen Stollenmundloch (Bild: Martin Wietzel)

Das geschweißte Tor vor dem Transport über den Finstergrundbach zum Stollenmundloch. Bild: P. Wegstroth